Olbernhau: Dem überdurchschnittlich niederschlagreichen September schien sich der Oktober zunächst nahtlos anzuschließen. An den ersten fünf Oktobertagen fiel bereits fast die Hälfte des monatsüblichen Regens.
Doch die Wetterlage stellte sich grundlegend um. Über Zentraleuropa baute sich Hochdruck auf, an dem kein Tiefdruckgebiet mehr durchkam. Diese mussten, um von der Wetterküche über dem Atlantik nach Osten zu wandern, im großen Bogen den Umweg über Skandinavien einschlagen.
Eine für den Oktober nicht seltene sogenannte Omega-Wetterlage (nach dem griechischen Buchstaben Ω ). Die Folge: Riesige Regenmengen in Frankreich und besonders Spanien, aber auch im weiteren Verlauf des „Omega“ zum Beispiel an der Südwestküste Norwegens. Hierzulande dagegen fiel in der zweiten Monatshälfte fast gar kein Niederschlag mehr. Hochdruck im Herbst bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eitel Sonnenschein, vor allem hier in der Kammregion. Je nachdem wie stark die Tiefs gegen das bestimmende Hoch drücken, umso stärker der Wind, der topologisch bedingt und als Böhmischer Wind bekannt ist, deutlich stärker und unangenehmer ausgeprägt ist als im Umland und am 16. sogar Böen der Stärke 7 erreichte.
Das wiederum bedeutete für die Region, dass die Tagestemperaturen nicht so recht in Schwung kamen. Die 20-Grad-Marke, in den zurückliegenden Jahren im Oktober fast immer geknackt, wurde dieses Jahr nicht ein einziges Mal erreicht. 19,2 Grad am 22. war der Höchstwert des diesjährigen Oktober. Dennoch liegt das Monatsmittel mit 1,6 Grad deutlich über dem 30-jährigen Durchschnitt. Hauptgrund war hier die nächtliche windbedingte kräftige Luftdurchmischung, die ein Absinken der kalten Luft zum Erdboden erschwerte.
So kam es vereinzelt zu Nachttemperaturen, die im zweistelligen Bereich lagen. Bei etwa fünf Grad liegt hier der Mittelwert. Nur einmal, am 12. Oktober, gab es mit minus 0,4 Grad ganz leichten Frost. Die Sonne konnte sich trotz Hochdruckwetters nicht immer uneingeschränkt gegen den Nebel durchsetzen. Mit 98 Stunden erreichte sie nur 91 Prozent des langjährigen Mittels. Niederschlag fiel insgesamt 53,7 Liter pro Quadratmeter, was 83 Prozent des Solls entspricht.
Die große Frage, wie wird der Winter? Was sagen die Bauernregeln dazu?
Zum Beispiel: “Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Februar.” Dies lässt sich allerdings deutlich widerlegen. Den drei ungewöhnlich wärmsten Oktobermonaten der letzten 40 Jahre, 2001, 2022 und 2023 folgten stets zu milde, beziehungsweise sogar die wärmsten Februarmonate überhaupt.
D. Christoph